Der Nord-Ostseekanal ist ein ganz besonderes Revier. Seit über hundert Jahren verbindet er die Nord- mit der Ostsee und bildet somit für ganz Europa eine Abkürzung des Warenverkehrs mitten durch Schleswig-Holstein. In seinem Wasser aber vereinen sich die beiden Meere und die Flüsse, die sich in den Kanal ergießen. Unter der Oberfläche dieser bedeutenden Wasserstraße ist so ein einmaliges Ökosystem entstanden, in dem sich Flunder und Zander begegnen. Fischer Thomas Philipson fischt in diesen einmaligen Fanggründen mit besonderen Herausforderungen.
Morgens ist es kalt auf dem Wasser, fast immer und überall und auch, wenn das Wasser im Binnenland liegt. Gummihose und der warme Pullover sind die selbstverständliche Berufsbekleidung eines Fischers. Doch diese Hose und eigentlich auch das ganze Boot sind mit glitzerndem „Konfetti“ gesprenkelt. Dieser Zierrat ist nicht beabsichtigt, aber unvermeidlich. „Das bleibt nicht aus, wenn man jeden Tag Fische aus den Netzen holt. Die Fischschuppen bleiben überall kleben“, meint Philipson lachend. Thomas Philipson ist einer der letzten Fischer auf dem Nord-Ostseekanal. Er war schon immer begeisterter Angler und hat sich für eine Ausbildung zum Fischer entschieden. In Hans-Heinrich Brauer von der Fischerei Brauer in Rade fand er seinen Lehrmeister und bleib bei ihm.
Nachdem Thomas Philipson seinen Meister gemacht hatte, übernahm er vor einigen Jahren den Fischereibetrieb von seinem Lehrherren und Schwiegervater, der sich langsam etwas vom Wasser zurückziehen will. Jetzt fährt er täglich auf den Kanal und fischt in den gemischten Wassern. Mitarbeiter Felix Kunde und auch Hans-Heinrich Brauer unterstützen ihn bei dieser Arbeit. Mit dem kleinen, offenen Boot, angetrieben von einem Außenborder, geht es hinaus zu den Reusen und Stellnetzen. Vor den Docks der Lürssen-Kröger Werft unter der Rader Hochbrücke muss er den Kanal kreuzen. Die Überfahrt ist nicht ungefährlich, denn sein Revier teilt sich der junge Fischer mit den ganz großen Pötten. „Die großen Schiffe sind auch eine Herausforderung für unsere Netze. Die Verankerungen müssen dem Sog, der durch die Bugwellen entsteht, standhalten“, erklärt Thomas Philipson.
So fängt er Fische in einer Bandbreite, wie es kaum ein Revier zu bieten hat. 94 Fischarten wurden laut Landessportfischereiverband bisher im Gewässer nachgewiesen. Brackwasser-, Salzwasser- und Süßwasserarten leben in diesem einmaligen Lebensraum nebeneinander. Zurzeit gehen dem Fischer Barsch und Zander und noch ein paar Aale in die Netze. Im Frühjahr kommen die Heringe zum Laichen in den Kanal und auch so mancher Plattfisch wie Scholle und Flunder findet seinen Weg in den Kanal. Aus den Flüssen schwimmen Hechte in die künstliche Wasserstraße. Neben der Stellnetz- und Reusenfischerei betreibt Thomas Philipson auch eine Aquakultur. In Netzkäfigen, die im NOK schwimmen, hält er Lachsforellen. Das ist inzwischen sein Hauptbroterwerb.
In normalen Zeiten verkauft Thomas Philipson einen guten Teil seines Fangs an Restaurants. Auch seine Schwiegermutter, die das Fischrestaurant Brauers Aalkate betreibt, ist eine regelmäßige Abnehmerin. „Im derzeitigen Lockdown fehlen diese Kunden leider“, berichtet Philipson. Dafür stieg der Umsatz im eigenen kleinen Fischladen ein wenig. „Die Leute möchten doch trotzdem ihren guten Fisch genießen.“ Zu Weihnachten und Silvester hat sich Thomas Philipson deswegen überlegt, diese Lücke des fehlenden Restaurantbesuches ein wenig zu schließen. Er bietet den Kunden nun einen besonderen Service an. Gemeinsam mit der Landschlachterei Hartwich aus Tetenhusen verkauft er zu Weihnachten und Silvester fertige Raclettepakete. Verschiedene Sorten Fisch und Fleisch sind darin küchenfertig portioniert und abgepackt. „Die Kunden müssen nur bei uns bestellen und bekommen hier ihr fertiges Paket, das sie zu Hause gleich auf den Raclettegrill legen können.“ Das ist sein Tipp für ein entspanntes Fest!