GEMEINSAM GEGEN DEN MÜLL

nach unten

20.000 Tonnen Abfall landen jedes Jahr in der Nordsee. Und auch um die Ostsee ist es nicht viel besser bestellt. Nur 30 Prozent ist für uns sichtbar, der Rest sinkt auf den Meeresgrund. Der Müll stellt auch für die Fischer ein großes Problem dar – zerrissene Netze, verunreinigter Fang und Schäden an den Schiffen sind die Folge. Das soll sich mit der Initiative „Fishing for Litter“ ändern.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Umweltschützer und Fischer nicht immer einer Meinung sind. Beide Seiten haben gute Argumente, über die man sich streiten kann. Worüber man das allerdings nicht kann, ist die zunehmende Vermüllung der Meere. Und so passiert, was lange als unmöglich galt: Umweltschützer und Fischer arbeiten Hand in Hand. „Fishing vor Litter“ ist das Zauberwort.

Den Müll aus den Meeren zu fischen, ist das Ziel. Schließlich haben Fischer lieber Fisch statt Müll in ihren Netzen. Leider finden sie in den letzten Jahren zunehmend Letzteres. Über lange Zeit gab es allerdings keine Möglichkeit für die Fischer, den Müll kostenlos und schnell zu entsorgen.

Bis der NABU 2011 das Fishing for Litter Projekt initiierte. Fischer erhalten kostenlose Sammelsäcke, mit denen der gefischte Müll gesammelt und in teilnehmende Häfen transportiert werden kann. Sammelcontainer stehen dort für die Entsorgung bereit. Rund 150 Fischer in 18 Häfen nehmen in Deutschland an der Initiative teil. Im Jahr 2018 wurden so in Deutschland mehr als zehn Tonnen Müll aus dem Meer gefischt. Eine vergleichsweise geringe Zahl in Anbetracht des jedes Jahr dazukommenden Mülls. Aber ein sinnvoller Beitrag.

Ein bis zweimal pro Jahr wird der Müll untersucht und die Zusammensetzung und Herkunft bestimmt. So kann die Müllbelastung der Nord- und Ostsee genauer beziffert und über ökologische und wirtschaftliche Folgen besser aufgeklärt werden.

Ungewollter Müllfang kann von den teilnehmenden Fischern in den eigens für das Projekt zur Verfügung stehenden Containern entsorgt werden.

Die Daten zeigen, dass in der Nordsee hauptsächlich Müll aus Kunststoff gefischt wurde. In der Ostsee liefern sich Metallschrott und Kunststoff ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Von 2014 bis 2016 wurde die Initiative vom schleswig-holsteinischen Umweltministerium finanziell und inhaltlich unterstützt. Bereits 2013 stieß Niedersachsen dazu. Sowohl Schleswig- Holstein als auch Niedersachsen fördern Fishing for Litter noch heute – mit Mitteln aus dem Europäischen Maritimen und Fischerei-Fonds (EMFF).

Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits 2000 startete ein ähnliches Projekt in den Niederlanden. Mit einem wahnsinnigen Erfolg. Zwischen 2016 und 2017 konnten die Fischer so 221 Tonnen Müll aus dem Meer entfernen. Europaweit organisieren sich Kommunen und Fischer seit 2003 durch das Netzwerk Kommunenes Internasjonale Miljøorganisasjon (KIMO). 35 Häfen und 350 Fischereifahrzeuge machen derzeit mit.

Eine Übersicht der teilnehmenden Länder und weitere Informationen gibt es unter 

www.fishingforlitter.org

Betrieb anmelden