Tradition, Faszination, Generationen – Neustadt und seine Fischer

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Mindestens 547 Jahre ist es nun alt, das Neustädter Fischeramt. Gegründet wurde es von der damaligen Fischerzunft aus Sorge, die Rechte am Fischfang zu verlieren.

„Das Fischen steckt uns hier einfach im Blut“, erzählt einer der neustädter Fischer, als er gerade den Fang des Tages anlandet. „Auch, wenn es häufig nicht mehr zum Leben reicht.“ Deswegen fischt der Großteil der Erwerbsfischer nur noch im Nebenerwerb, obwohl die Fischerei schon seit vielen Generationen in der Familie liegt. Er erzählt, wie das traditionelle Fischerleben sich gewandelt hat: „Letztens kam ein Mann auf einem SUP-Board angepaddelt und suchte sich noch mitten auf dem Wasser seinen Fisch fürs Abendessen bei mir im Boot aus. Seine Frau informierte er über den Einkauf per Smartwatch, die dann den Fisch am Hafen in Empfang nahm.“  

Früher und heute
Neustadt ohne Hafen wäre wie Fischbrötchen ohne Fisch. Zu früheren Zeiten stellte der Hafen die wirtschaftliche Lebensader der Stadt dar und auch heute ist er noch identitätsgebend.
Die Stadt Neustadt wurde im Jahr 1244 gegründet und schon das Wappen lässt erahnen, welch wichtige Bedeutung ihre wassernahe Lage für den Ort hatte. Zwei Männer auf einem Boot im Wasser zieren das Wappen und verdeutlichen die frühere seewärts gerichtete Wirtschaft des Ortes. Zahlreiche Güter wie Getreide, Holz, Kalk, Eisen und Kohle wurden im Neustädter Hafen vor allem von größeren Seglern angeliefert. Noch 1906 hatten 9 Segel- und Dampfschiffe sowie 84 Fischerboote hier ihren Heimathafen. In den damaligen Werften wurden viele dieser Schiffe gebaut. Nach dem zweiten Weltkrieg war Neustadt wie kaum eine andere Hafenstadt an der Ostseeküste Zufluchtsort für zahlreiche Menschen aus Pommern und Ostpreußen. Viele der Neuankömmlinge waren Fischer, die zusammen mit den Neustädter Fischern 1949 eine Genossenschaft zur Vermarktung des gefangenen Fisches gründeten. Doch die Zahl der Kutter ging zurück, Investitionen mussten getätigt werden und die Einnahmen waren im Verglich zu anderen Genossenschaften nicht zufriedenstellend. So kam es zu einem Zusammenschluss mit der Nachbargenossenschaft zur „Heiligenhafen-Neustadt-Erzeugergemeinschaft eG“, welche es unter dem Namen „Küstenfischer Nord eG“ noch heute gibt. *
Heute ist der Neustädter Kommunalhafen Anlaufstelle vor allem von Dünger, Splitt und Steinen. Im Jahr 2020 betrug der Gesamtumschlag aller Güter rund 28.000 t. **

Netze flicken am Neustädter Hafen

Das Hafenbild
Der Neustädter Hafen befindet sich am Ende der Neustädter Bucht, dort wo das sogenannte Neustädter Binnenwasser in die Ostsee mündet. Das brackwasserführende Binnenwasser steht teilweise unter Naturschutz, nur die Boote der Neustädter Fischer dürfen hier fahren und fischen.

Heute wird das Hafenbild von vielen Sportbooten bestimmt. Die Fischer sind an der östlichen Hafenseite zu finden. Zusätzlich hat der Segelverein einen eigenen Anleger im sogenannten Rundhafen. Um den Hafen herum finden sich viele kleine Lokale, in denen Einheimische und Gäste gerne schlemmen und das Treiben in Neustadts Hafen beobachten. Einst hatte Karl Lagerfelds Vater Otto seine Konservenmilchfirma „Glücksklee“ direkt am Hafen stationiert. Das ehemalige Betriebsgebäude ist heute „Haus der Manufakturen“ und beherbergt ein Café, eine Galerie und ist Eventlocation und Arbeitsplatz zugleich.

Der Marine- und Bundespolizeihafen wurde durch die Sendung „Küstenwache“ bundesweit bekannt. Die Drehorte rund um den Hafen und die Stadt gehören heute zu den Attraktionen.  

Die Fischer
Vermutlich schon seit Stadtgründung, aber mindestens seit 1474 besteht hier die vermutlich älteste deutsche Fischerinnung. Die Anzahl der Amtsbrüder ist auf 30 beschränkt. Weitere Anwärter sind zwar möglich, doch erst durch den Tod eines Bruders kann ein Anwärter „verpflichtet“ werden. Aber auch Anwärter wird man nicht mal eben so. Man muss seinen Wohnsitz in Neustadt haben, den Fischereisschein und die fachliche Eignung besitzen und mindestens drei Jahre Fischereierfahrung mitbringen. Erst wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Verpflichtung erfolgen. Auch hier setzen die Fischer auf alte Sitten: Auf Plattdeutsch und vor offener Amtslade nimmt der Amtspatron die Vereidigung mit dem obligatorischen Handschlag entgegen. Die Neustädter Fischer sind stolz auf ihre Tradition und das wird zünftig gefeiert. Einmal im Jahr beim Fischeramtsfest braten die Fischer und ihre Frauen auf dem Netztrockenplatz vor dem Fischeramtsgebäude Heringe. Gäste und die Fischer selber genießen dann drei Tage lang in maritimer Atmosphäre den Ertrag ihrer Arbeit untermalt vom Klang der Shanty-Chöre, Fischerchöre und Akkordeonspieler.

 

Der Neustädter Fischer mit seinem farbenfrohen Boot ist hier gerne dabei. Doch am meisten freut er sich, dass er noch immer mit seinem Fisch, verkauft direkt vom Kutter an der Hafenkante, seinen Kunden ein regionales, gesundes und leckeres Essen auf den Tisch bringen kann.

 

*        (Quelle: Fischerei in Schleswig-Holstein von Horst Schübeler, 2005).
**      (Quelle: Stadtwerke Neustadt in Holstein)

 

 

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